Haupt-Figuren und Zeiten

„Sepp“ Josef Ahrer, (* 30. August 1908 in St. Ulrich † 17. Februar 1934 in Steyr)

Leben

Sepp Ahrers erlernter Beruf ist Bauschlosser, doch ist er zur Zeit der Februarkämpfe arbeitslos. Er wohnt in einer Baracke in der Kammermayerstraße 10 in Steyr, ist ledig, politisch als Sozialdemokrat aktiv und Angehöriger des Republikanischen Schutzbundes.

Im Rahmen des Aufstandes vom 12. Februar 1934 kommt es auch in Steyr zu Aufruhr und Gewalttaten, darunter die Erschießung des Direktors der Steyr-Werke Dr. Wilhelm Herbst im fahrenden Auto. Der mit Schusswaffen begangene Mord an Johann Zehetner und seiner Braut Josefine Nagelseder in der Kammermayerstraße 10 – also derselben Baracke, in der auch Ahrer wohnt – wird später Sepp Ahrer angelastet. Dabei fallen die tödlichen Schüsse in der Baracke, als Ahrer und seine Schutzbund-Kameraden während des Generalstreiks unter dem Fußboden der Baracke versteckte Waffen hervorholen. Nach dem Ende der Kämpfe in Steyr beginnen am 17. Februar 1934 die Prozesse gegen die daran Beteiligten im Kreisgerichtsgebäude am Stadtplatz. Trotz widersprüchlicher Angaben zum Ablauf der Tat wird Ahrer vor ein Standgericht gestellt, für schuldig befunden und zum Tod durch den Strang verurteilt.

Maria Ahrer, die Schwester Sepp Ahrers, (* 9. Februar 1911 in Steyr † 27. April 1990 in Montevideo)

18.8.34 (Sa) Maria fährt mit dem Schiff von Marseille ab und lernt Pino auf hoher See kennen.
26.8.34 (So) Sie verbringen ihre erste Nacht im Rettungsboot
12.9.34 (Do) sie sind wieder im Rettungsboot, Maria meint die Schwangerschaft zu spüren, Pino redet mit dem Kapitän, sie heiraten am Schiff.
22.9.34 (Sa) Ankunft in Montevideo
15.10.34 (Mo) Arbeitsbeginn für beide in der Schuhkooperative
November 1934 – Der Bauch wächst, Pino und Maria treten einer Landwirtschaftskooperative bei, kaufen einen kleinen Bauernhof am Stadtrand und ziehen dort am 31.12.34 (Mo) ein.
26.5.35 (So) José wird am Bauernhof geboren, Beistand von Rayen, einer Mapuche Hebamme.
18.5.1938 Brief von Marias Mutter über Situation in Steyr kommt in Montevideo an.
26.5.38 (Do) Maria schreibt wieder TB, holt einiges in Stichworten nach, sie hört und liest vom Einmarsch Hitlers in Ö
18.5.39 (Di) Fahrt nach Buenos Aires, Pino und Maria wurden informiert, dass Fürst Starhemberg (musste vor den Nazis aus Ö flüchten) am 23.5.39 (Mo) Ländereien vom Argentinischen Präsidenten bekommen soll.
21.5.39 (Di) Pino Giuseppe Pinelli wird von argentinischen Miltärs überwacht und attackiert. Der kleine José muss es miterleben.

„Pino“ Giuseppe Pinelli (* 21. Oktober 1908 in Mailand, † 21. Mai 1939 in Buenos Aires)

Pinelli wird in eine Arbeiterfamilie geboren. Er arbeitet als Bote und später als Lagerarbeiter, findet aber Zeit zum Lesen und wird 1934 in einer anarchistischen Gruppe in Mailand aktiv.
Ohne ersichtlichen Grund und ohne spätere Anklage werden vier Mitglieder der Gruppe verhaftet. „Pino“ taucht unter. Er hat Freunde, die bereits einige Jahre davor nach Argentinien und Uruguay ausgewandert sind. Er entkommt der Verhaftung und organisierte sich eine Schiffspassage. Auf dem Schiff lernt er Maria kenne und verliebt sich in sie. Sie heiraten noch am Schiff. José ist ihr gemeinsamer Sohn.
1939 wird er von Militärs in Argentinien erschossen.

José „Pépe“ Pinelli Ahrer (* 26. Mai 1935 in Montevideo), Marias und Pinos Sohn

Erlebt mit vier Jahren, wie sein Vater Giuseppe Pinelli (Pino) in Buenos Aires von Miltärs erschossen wird. Seine Mutter, Maria, muss danach aus Uruguay flüchten. Über Chile, Bolivien und Paraguay kehrt er mit ihr nach dem Zweiten Weltkrieg nach Montevideo zurück. Sie betreiben erneut den Bauernhof.
1962 gründete er mit der Gruppe „Neue Basis“ die Vereinigte Volkspartei. Bei den Parlamentswahlen unterliegen sie nur knapp.
Die politische Gewalt in Uruguay treibt José zur Nationalen Befreiungsbewegung „Tupamaros“. Er wird viermal verhaftet und ist insgesamt vierzehn Jahre im Gefängnis.
Erst die Amnestie von 1985 lässt wieder demokratische und parlamentarische Arbeit zu. Mit dem „Movimiento de Participación Popular“ gewinnen sie die meisten Stimmen im Regierungsbündnis, José wird 2005 Landwirtschaftsminister.
José Pinelli Ahrer, von allen Pépe gerufen, erringt bei den Präsidentschaftswahlen 2009 beinahe die Hälfte aller Stimmen. Die Stichwahl gewinnt er und ist von 2010 bis 2015 Präsident der Republik Uruguay. Während all dieser Zeit hat er mit seiner Ehefrau Lucía den Bauernhof weiterbetrieben und nur 10 % des Präsidentenbezuges für sich beansprucht. Nach der Periode als Präsident wird José wieder Senator, legt diese Funktion allerdings 2020 zurück, da er wegen Corona und aufgrund seines Alters nicht direkt mit den Menschen reden kann und er so nicht als Abgeordneter arbeiten will.
Im selben Jahr wird er bei Attac Uruguay aktiv, lernt über das internationale Netzwerk Gerald Grubhofer aus Steyr kennen. José übergibt Gerald die Tagebücher seiner Mutter Maria Ahrer Pinelli. 2022 kommt Gerald nach Montevideo, 2023 reist José mit seiner Frau Lucía nach Österreich und besucht Steyr, auch um die Spuren seines Onkels Sepp Ahrer persönlich kennenzulernen.

Fürst Ernst Rüdiger Starhemberg (* 10. Mai 1899 in Eferding, † 15. März 1956 in Schruns)

Bis 1919 Fürst, Grundbesitzer, sowie ein österreichischer Politiker und Heimwehrführer. 1920 bis 1930 ist Starhemberg Mitglied des Bundesrates, 1930 Spitzenkandidat der Liste Heimatblock und kurzzeitig Innenminister, Abgeordneter zum Nationalrat und von 1934 bis 1936 in der Dollfuß-Schuschnigg-Diktatur Bundesführer der Vaterländischen Front und Vizekanzler, auch Stellvertreter Dollfuß‘.
1930 wird Starhemberg Bundesführer der österreichischen Heimwehr, einer rechtsstehenden paramilitärischen Organisation, die sich wenig später in einen christlich-sozialen Flügel unter dem Major Emil Fey und einen austrofaschistischen Flügel unter Starhemberg spaltet.

Im Februar 1934 befehligt er die Heimwehr und nimmt mit ihr Rache an den Steyrer Arbeiter’innen, ein junger Arbeiter wird erschossen. Starhemberg hat die Verhaftung Sepp Ahrers angeordnet und ist am Scheinprozess gegen ihn beteiligt. Das Todesurteil wird nach dem Standrecht verhängt.